Die Minden Wolves kommen im ersten GFL2-Heimspiel gegen Titelfavorit Krefeld Ravens 0:47 unter die Räder
Das war eine schallende Ohrfeige. Von einem Sieg bei der Heimpremiere in der GFL2 Nord hatten ohnehin nur die kühnsten Optimisten geträumt. Dass die Minden Wolves gegen den Meisterschaftsfavoriten Krefeld Ravens aber derart unter die Räder kommen würden, damit hatte aber niemand gerechnet. Nach vier bitteren Vierteln kassierten die Mannen von Phil Gamble eine 0:47 (0:7, 0:20, 0:14, 0:7)- Klatsche und waren von der ersten bis zur letzten Minute chancenlos.
Es hatte sich schon in den letzten Testspielen und vor allen Dingen beim ersten Zweitligaspiel in Leipzig (10:13) angedeutet: Die Offensive der Mindener hat keine Antworten parat, spielt sich viel zu wenige Frist Downs heraus und kommt nur äußerst selten in vielversprechende Situationen. Entsprechend fassungslos war Headcoach Gamble nach Spielschluss: „Wir haben aktuell nicht die Klasse, um in der 2. Liga mithalten zu können!“ Klare Worte angesichts ebenso deutlich zu erkennenden Defiziten. Noch ist die Saison jung – und die Wolves können alles noch korrigieren. Aber die Tatsache, dass jeder Gegner die Mindener Plays aufgrund der vorliegenden Aufnahmen genau analysiert und seine Defense entsprechend einstellt, macht die bevorstehende Aufgabe nicht einfacher. Krefeld wusste haargenau, was seitens der Hausherren im Angriff auf sie zukommen würde. Nach Aufnahme des Balls nach dem Kickoff an der eigenen 45 Yardlinie, nahm Quarterback Christian Arrambide Maß, bediente Leroy Rümmeli, der erfolgreich in die Endzone sprintete. Nach 40 Sekunden hieß es inklusive des PATs 0:7 aus Mindener Sicht. Die Unordnung bei den Gastgebern, die schon vor dem Play eine Auszeit nehmen mussten, weil die Aufstellung nicht passte, war bezeichnend für die gesamte Partie.
Und da Sebastian Nawrath mit seiner Defensive auf alle Fragen der Wolves stets die richtige Antwort hatte, entwickelte sich fortan ein äußerst einseitiges Spiel. Minden kam mit seinen Plays nicht in die Situation, den Gegner unter Druck zu setzen. Meistens war nach drei Versuchen Schluss – und die Defensive musste aufs Feld. Die hatte kaum einmal Zeit zum Verschnaufen, denn ihren Mitspielern aus der Offense gelang kaum einmal ein „Frist Down“. Die Folge war, dass das Wolfsrudel zumeist schon vor der Mittellinie gestoppt wurde – also weder in die Redzone gelangte, noch in Field Goal-Range kam. Ganz anders die Ravens, die insbesondere im zweiten Viertel aufdrehten und mit drei Touchdowns zur Pause auf 27:0 davonzogen: Die einseitige Partie war bereits zu diesem Zeitpunkt entschieden. Zunächst ließ sich der überragende Runningback Akiva Wedge die Chance nicht entgehen und brachte mit einem kurzen Lauf das Leder über die Goalline. Dann folgte ein langer Pass von Arrambide auf den völlig freistehenden Jakob Bojko und schließlich ließ sich Bojko erneut nicht bitten und nahm ohne Gegenwehr einen Arrambide-Pass auf. Dennis Storm hatte zudem drei von vier Extrapunkten (ein Versuch landete am Pfosten) dazu gesteuert. Nach der Pause setzten die Gäste immer mehr auf ihre Backups. Erst recht, als der überragende Wegde, der bei seinen zehn Läufen im Schnitt 8,4 Yards erlief, ein schnelles Mindener „Three and out“ mit einem Lauf zum 33:0 nutzte und wenig später mit einem Lauf gleich fünf Gegenspieler (!) wie Slalomstangen wirken ließ, bevor er den Ball erneut in die Endzone beförderte und zum 40:0 (zzgl. PAT) aufstockte.
Das Mindener Debakel war endgültig perfekt. Zahlreiche Zuschauer hatten das Weserstadion bereits enttäuscht verlassen. Sie sahen den siebten Touchdown der Krefelder nicht, als der eingewechselte Ravens-Quarterback Isaiah Trouwloon den aus Langenfeld nach Krefeld gewechselten André Fisch bediente, der sich ebenfalls noch in die Scorerliste eintragen durfte.
Nach der 0:47-Pleite heißt es auf Seiten der Minden Wolves nun die Wunden zu lecken und das Geschehene genau zu analysieren. „So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Wir müssen Antworten finden, um konkurrenzfähig zu sein“, betonte Phil Gamble im abschließenden Huddle. Weiter geht es für das Wolfsrudel am kommenden Samstag mit dem Gastspiel bei den Hamburg Pioneers (Kickoff: 16 Uhr).


