Minden verliert daheim das Spiel zweier noch siegloser Teams mit 12:14 gegen die Langenfeld Longhorns
Wieder ist ein Fünkchen Hoffnung verlorengegangen. Und viele realistische Chancen, das Ruder noch erfolgreich herumzureißen und sich als Aufsteiger in die GFL2 Nord, der 2. Bundesliga im American Football, den Klassenverbleib zu sichern, bleiben den Minden Wolves nicht. Grund: Auch das Kellerduell gegen die zuvor ebenfalls noch sieglosen Langenfeld Longhorns ging verloren. Im Weserstadion kassierte die Mannen von Headcoach Phil Gamble erneut eine unnötige Niederlage, denn das 12:14 (0:0, 3:7, 3:0, 6:7) war allemal vermeidbar, ist aber auch nicht nur mit dem Begriff „Lehrgeld“ zu erklären.
Nachdem das Wolfsrudel in den zurückliegenden fünf Jahren immer von Sieg zu Sieg geeilt war, ist in diesem Jahr irgendwie der Wurm drin. Fünf Spiele, fünf Niederlagen – es muss jetzt schon alles passen, wenn die Wolves den Kopf noch aus der Schlinge ziehen wollen. Gegen die vor der Saison hocheingeschätzten Langenfelder verspielten die Mindener fast einen Matchball. Da die beiden Teams in dieser Saison nur einmal aufeinandertreffen, bedeutete der Sieg bei finaler Punktgleichheit auch zugleich den gewonnenen Direktvergleich.
Heißt: Will man an den Rheinländern vorbei, muss man aktuell noch mindestens zweimal gewinnen. So ruhen die Hoffnungen auf den Leipzig Lions, die den heimischen Aufsteiger zum Auftakt zwar mit 13:10 schlugen. Sollten die Sachsen – was aber kaum vorstellbar ist – bis zum zweiten Duell am letzten Spieltag in Minden kein Spiel mehr gewinnen, würde den Wolves schon ein deutlicherer Sieg mit mindestens vier Punkten Differenz reichen.
Viele „Wenn’s“ und „Aber“. Zu viele? Nach der Pleite vom Samstag möchte man das bejahen, Wieder ließ Minden eine dicke Chance aus. Und im Sport rächt sich so etwas eigentlich immer. Erst in Leipzig, dann in Hamburg – und nun gegen Langenfeld.
Headcoach Phil Gamble war nach Spielende ebenso geschockt wie angefressen. „Wir machen zu viele Fehler, verschenken die Punkte. Manchmal frage ich mich, ob manche Spieler die 2. Bundesliga nicht ernst genug nehmen.“ Harte Worte, denen man am Samstag noch einen weiteren Hinweis hätte folgen lassen können: Herzblut.
„Unsere Fans merken das doch auch. Oder warum sind unsere Zahlen aktuell so schlecht. Sie akzeptieren, wenn wir verlieren. Aber sie akzeptieren nicht das Wie! Es war klar, dass der Sieg an das Team gehen würde, das mit mehr Herz auftreten würde. Und das war an diesem Tag leider Langenfeld.“
Da werden sich auch einige Imports an die eigene Nase fassen müssen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei dem einen oder anderen doch merklich auseinander.
Daher präsentieren sich die Wolves auch Spiel für Spiel mit Licht und Schatten. In der Offense aktuell mit zu viel Schatten. Zwar wirkte die O-Line der Hausherren besser als in vorherigen Partien, dafür aber weiß aktuell jeder Gegner, welche Plays die Mindener aus der Trickkiste packen und wie sie darauf zu reagieren haben. Mit einem einzigem Touchdown – und dem auch erst im letzten Viertel ist kein Spiel zu gewinnen.
Die Punktausbeute ist das große Manko. In Minden hofft man, das Zachary Cavanaugh, der kurzfristig den Posten des Offense-Coordinator übernommen hat, für schnelle Besserung sorgt. Zaubern kann aber auch er nicht.
Und da beide Defensereihen gute Jobs machten, brachten beide Teams mit ihrer Offense lange Zeit auch nichts Zählbares aufs Scoreboard. Es war auch nicht die Mindener Defense, sondern ihre Offense, die Langenfeld den ersten Touchdown schenkte. René Lange, an diesem Tag ansonsten bester Mindener, unterlief ein Fumble (Ballverlust), den Jayden Lawsen aufnahm und in die Endzone beförderte. Inklusive des PATs durch Marvin Wiele hieß es Mitte des zweiten Viertels 7:0 für die Gäste.
Mit der Halbzeit gelang Tobias Pauls wenigstens noch per Fieldgoal eine Resultatverbesserung zum 3:7. Ansonsten aber war vieles Stückwerk geblieben.
Nur gut, dass die Longhorns nach der Pause bereits ihren zweiten Fieldgoalversuch „versemmelten“. Kapital daraus schlugen die Hausherren aber nicht. Sie hatten sogar Pech, das einem Lauf-Touchdown von Quarterback Darrius Sample, der nach wie vor nicht der Leader ist, den das Team benötigt, die Anerkennung versagt wurde, weil es in Folge einer gelben Flagge eine Holdingstrafe und – wie schon häufiger in dieser Saison gesehen – statt Punkten einen Raumverlust gab.
Zwar ging das dritte Viertel an die Wolves, weil Tobi Pauls eine weiteres Fieldgoal verwandelt, es war aber letztlich zu wenig, um der Partie die Wende zu geben.
Anders die Langenfelder, Anfang des vierten Viertels auf 14:6 erhöhten, als sich Finn Stöhr erfolgreich durchsetzte und Marvin Wiele per PAT nachlegte.
Minden steckte dennoch nicht auf, kam durch Benjamin Frese in eine gute Position, doch beim folgenden Pass verlor Ray Fletcher den Ball. Bitter. Da war mehr drin. Besser machte es Willie Fedd jr., der einen langen Pass spektakulär fing. Die drei Yards bis in die Endzone waren anschließend für René Lange kein Problem. Da hieß es nur noch 12:14.
Die Wolves wollten aber nicht nur den PAT, sondern mit der Two-Point-Conversion den Ausgleich – und damit die Overtime. Der Ball flog, Ray Fletcher wurde beim Versuch ihn zu fangen, regelwidrig angegangen. Gelbe Flagge lagen auf dem Rasen, Doch statt der Bestrafung des Langenfelder Gegenspielers, wurden die Flagge von den Referees zurückgenommen. Sehr zum Unmut der Hausherren, zumal im Livestream kein Zweifel an der regelwidrigen Attacke aufkam.
Bitter für Minden, Glück für Langenfeld. Und so geht das Warten auf den ersten Sieg für die Wolves weiter.


