Zack Cavanaugh führt die Minden Wolves zu einem überragenden 45:42-Erfolg gegen die Rostock Griffins
Spieler, Coaches, Verantwortliche – sie ließen ihren Gefühlen freien Lauf. Einige schrieen ihre Emotionen raus, anderen liefen die Tränen über das Gesicht. Und das nicht, weil man wieder einmal Meister geworden war, sondern weil sie soeben den ersten Sieg in der 2. Bundesliga eingefahren hatten. Einen historischen. Was aber noch wichtiger war: es war ein überlebenswichtiger. Und ein sensationeller zugleich. Denn das 45:42 (14:7, 13:27, 12:0, 6:8) der Minden Wolves gegen den Tabellenzweiten Rostock Griffins, der bis dato lediglich dem Überteam der GFL2 Nord, den Krefeld Ravens, hatte gratulieren müssen, war die bislang wohl größte Sensation der Saison. Noch wichtiger aber war, dass die Abstiegsentscheidung verschoben wurde und der Liga-Neuling weiter auf den klassenverbleib hoffen darf.
Für beide Mannschaften stand sehr viel auf dem Spiel. Minden, mit einer Bilanz von 0:8 vor dem Spiel Tabellen-Schlusslicht, musste den letzten Strohhalm ergreifen, um die vorzeitige Rückkehr in die Regionalliga noch abwenden zu können. Die Mannen von der Ostsee wiederum reisten mit einer Bilanz von 7:1 an und hätten mit einem Sieg das Erreichen der Playoffs des neugeschaffenen GFL2-Bowls perfekt machen können. Während sich den Gästen dafür noch eine zweite Chance bietet, stand die Partie für die Wolves unter dem Motto „Siegen oder absteigen“.
In Sicherheit sind sie aber trotz des Sensations-Coups noch nicht. Und es liegt auch nicht in ihrer Hand, ob sie die Klasse noch werden halten können. Denn Konkurrent Leipzig Lions, der am letzten Spieltag in Minden gastiert (15. August), darf am Wochenende daheim nicht gegen die Elmshorn Fighting Pirates gewinnen. Nur dann käme es zum Showdown an der Weser. Dort müsste das Wolfsrudel mit mindestens vier Punkten Unterschied gewinnen, um noch das Ruder herumreißen zu können. „Wir hoffen, dass sich Elmshorn voll reinhängt“, appelliert Vorstand Volker Krusche an die „Piraten“.
Die Partie am Samstag im Mindener Weserstadion war gerade beendet, da trudelte auch schon eine Gratulation seitens der befreundeten Krefeld Ravens in Form eines Videos ein. „Ihr habt’s gemacht! Sauber. Herzlichen Glückwunsch“, freute sich Präsident Dino Volpe mit den Wolves. Sein Team steht damit unmittelbar vor dem Titelgewinn in der Nordgruppe der GFL2.
Er vergaß aber ebenso wenig den Vater des Erfolgs zu würdigen: Zachary Cavanaugh. Das sagen auch alle Spieler, Trainer, Verantwortlichen und Fans im Hexenkessel an der Weser so. Zack hatte erst vor einigen Wochen die Aufgabe des Offense-Coordinators aufgenommen und den Mindener Angriff im Vergleich zu den mageren Vorstellungen zu Beginn der Saison von Mal zu Mal besser gemacht. Und nach Ablauf einer Drei-Spiele-Wechselsperre war er am Samstag auch erstmals spielberechtigt für das Team, mit dem er im September vergangenen Jahres den Titel in der Regionalliga gewann und anschließend in die 2. Bundesliga des American Footballs aufstieg.
Trotz seiner inzwischen 40 Jahre war der US-Amerikaner, der seinen Lebensmittelpunkt in Berlin hat, der dominante Spieler auf dem Feld. Er riss alle mit. Und so präsentierte sich Minden nicht nur als sich gegenseitig unterstützendes Team, sondern funktionierte urplötzlich hervorragend. „Mit Cavanaugh hatten wir nicht gerechnet. Den hatten wir nicht auf dem Zettel“, lautete das kurze Statement der überraschten und am Ende geschockten Rostocker.
Zwar legte Rostocks amerikanischer Quarterback Christofer Zellous mit seinem Pass auf Jaeden Lewis in die Endzone schnell vor, doch genauso schnell folgte die Antwort der Minden Wolves. Ein Lauf des bärenstarken René Lange ins gelobte Land sorgte erstmals für Jubel auf der anderen Seite. Und nach einem sehr gefühlvollen Pass erreichte der Ball Willie Fedd jr., der die Hausherren noch im ersten Viertel in Führung brachte. Tobias Pauls hatte nach beiden Touchdowns den Extrapunkt verwandelt.
Nach dem Seitenwechsel war aber sofort Rostock wieder da. Diesmal bediente Zellous seinen Landsmann Ruben Saint-Jean, der mit dem PAT von Arthur Riemer zum 14;14 ausglich. Dann wurde deutlich, wo an diesem Tag Mindens größte Baustelle zu verzeichnen war: im Specialteam. Die Griffins nahmen immer wieder Bälle kurz vor ihrer eigenen Goalline auf, wurden dann aber von den Hausherren auf ihrem Weg nach vorn nur sanft begleitet, aber nie ernsthaft attackiert. Das führte zunächst zum Gäste-Touchdown durch den wendigen Ryan Gomes, der aber auch völlig freie Fahrt hatte und sein Team beim 20:14 wieder in Front brachte.
Die Freude währte aber erneut nicht lange, denn nach Klassepässen von „Zack-Attec“ auf RayShon Fletcher war man in die Redzone der Gäste vorgedrungen. Doch mit der Spielgestaltung von Zack Cavanaugh klappte endlich auch mal das Punkte bringende Spiel kurz vor der Endzone. Diesmal war es Darric Shank, der inklusive des Extrapunkts von Pauls seine Farben wieder mit 21:20 in Front brachte.
Es war ein intensives, abwechslungsreiches und hochklassiges Duell, das sich beide Teams lieferten. Und das Scoren vor der Halbzeit war noch nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil. Es ging jetzt erst so richtig los. Zunächst war es ein kurzer Pass von Zellus auf Ruben Saint-Jean, auf der anderen Seite erzielte René Lange 16 Sekunden vor dem Viertelende den 27:27-Ausgleich. Doch wieder passte das Mindener Specialteam nicht auf und ließ Jaeden Lewis Sekundenbruchteile vor dem Pausenpfiff zu einem Kickoff-Return-Touchdown kommen. Völlig unnötig.
In der zweiten Halbzeit bekam aber auch die Mindener Defense einen viel besseren Zugriff, so dass die Griffins nicht mehr so leicht nach vorn kamen. Sie ließ nur noch einen einzigen Gäste-Touchdown zu. Ganz im Gegensatz zu den Wolves, die in allen Bereichen vom genialen Spiel des Zack Cavanaugh profitierten. Erst kamen die „Wölfe“ nach einem 45 Yards-Pass auf Willi Fedd bis in die Rostocker Redzone. Dann war man nach einem Pass auf Ray Fletcher bis auf ein Yard an die Goalline herangerückt. Den entscheidenden Ball zirkelte Cavanaugh auf Benjamin Frese.
Und als Kenneth Patten einen Fieldgoalversuch von Rostocks Artur Riemer entscheidend abfälschte, war es erneut Frese, der mit einem Catch „unterder Grasnarbe“ seinen zweiten Touchdown erzielte. Als sich die Griffins dann auch noch einen Fumble erlaubten, brachte Willie Fedd seine Farben im letzten Viertel mit einem spektakulären Catch sogar mit 45:34 in Front.
Der herbeigesehnte Sieg lag jetzt auf dem Silbertablett. Erst recht als die Wolves die Gäste nach drei Versuchen vom Feld schickten. Doch der einzige Fehler Cavanaughs (Com Bergeron fing eine Interception), sorgte noch einmal für Spannung und Zittern.
Inzwischen hielt es keinen Fan mehr auf den Sitzen. Aller standen und feuerten lautstarke ihre Defense an. Dennoch überbrückte Rostock schnell das Feld und kam durch einen Touchdown von Ruben Saint-Jean und einen gelungenen Trickspielzug bei einer Two-Point-Conversion auf drei Punkte heran. Nur gut, dass der anschließende Onside-Kick misslang und der Ball bei den Wolves landete. Die spielten die verbleibenden gut zwei Minuten ohne Fehler ruhig runter und durften anschließend ihren Gefühlen freien Lauf lassen.
Minden ist noch da!


