Die Minden Wolves verlieren ersatzgeschwächt nach 0:21 bei den Rostock Griffins mit 27:49
Die Trauben hingen schon im Vorfeld hoch, wahrscheinlich zu hoch. Das war den Mindener Footballerrn bereits vor dem Kickoff klar. Und nach dem ersten Viertel schwante allen Beteiligten der Wolves nichts Gutes. Denn nach einem völlig verkorksten Aufgalopp lagen sie beim Seitenwechsel schon mit 0:21 hinten. Dann aber zeigte insbesondere die Offense, dass die Arbeit von Zack Cavanaugh Früchte trägt. Die anderen drei Viertel gingen nur mit 27:28 verloren. Am Ende aber hieß es 49:27 (21:0, 14:13, 7:14, 7:0) für die Rostock Griffins.
Schon die unterschiedlichen Kadergrößen machten den Unterschied deutlich. Während die Griffins aus den Vollen schöpfen können und 47 Mann aufboten, mussten die Wolves der Tatsache Tribut zollen, dass durch die Verlegung auf Sonntag zahlreiche Spieler durch die Rückkehr in der Nacht berufsbedingt absagen mussten. So war das Mindener Aufgebot auf 29 Spieler geschrumpft. Zudem steckte der Mannschaft unbestritten die fünfstündige Busfahrt in den Knochen.
Ungeachtet dessen hätte sich Headcoach Phil Gamble gewünscht, dass seine Mannschaft beim Kickoff wacher ist, doch das Gegenteil war der Fall. Rostock bat zum Tanz und gab Takt und Rhythmus an. Die Wolves konnten nur reagieren, aber nicht agieren.
Apropos Tanz: Hier lag über die gesamte Spielzeit das größte Problem für die Gäste. Die ersatzgeschwächte Defense wurde von den Rostocker Angreifern ein uns andere Mal ausgetanzt. Oftmals wurden sieben, acht Gegenspieler zu Statisten degradiert oder konnten fünf Abwehrspieler einen einzigen Angreifer nicht zu Fall bringen. Angeführt von einem bärenstarken Rostocker Receiver Jaeden Lewis, war die Mindener Defensive kaum einem Ballträger gewachsen.
Gleich der erste Angriff der Hausherren brachte Zählbares. Nach nur 1:15 Minuten setzte sich Lewis gegen mehrere Mindener durch und erreichte problemlos die Endzone. Die Gegenwehr der Gäste war einfach zu harmlos. Inklusive des erfolgreichen PATs hieß es schnell 7:0. Und da Wolves-Quarterback Darrius Sample den Ball an der 50 Yardlinie verlor, kam Rostock nach dem Fumble sofort wieder vielversprechend in Ballbesitz. Und den münzte erneut Lewis um und baute die Führung der Gastgeber auf 14:0 aus. Zu allem Überfluss verletzte sich der britische Zugang der Mindener, Dominik Norbron, am Knie und musste gar mit einem Rettungswagen abtransportiert werden.
Zu diesem Zeitpunkt waren gerade mal vier Minuten gespielt. Wenig später leistete sich Sample auch noch eine Interception, die den Tabellenzweiten an der 35-Yardlinie der Mindener in Ballbesitz brachte. Erstmals sprang aber nichts Zählbares für die Hausherren heraus. Dafür aber im nächsten Drive, ihrem vierten. Und wieder war es Jaeden Lewis, der die Mindener Reihen zerlegte, wie das Messer die Butter. Diesmal aber vollendete Jonas Bäumer nach Pass von Quarterback Christoph Zellus. Und so war die Partie beim 21:0 für Rostock nach dem ersten Viertel praktisch schon entschieden.
Danach aber wurde es aus Mindener Sicht besser. Zumindest offensiv. Endlich setzte sich die Offense in Szene, während die ersatzgeschwächte Defense immer noch erhebliche Schwächen bei Läufen des Gegners aufwies. Doch wäre ein vergebener Point after Touchdown nicht gewesen, die Wolves hätten das zweite Viertel ausgeglichen gestaltet. Ein langer Sample-Pass auf Willie Fedd jr. brachte jedenfalls den ersten Endzonenbesuch der Mindener und die ersten Punkte aufs Scoreboard.
Doch Rostock antworte durch den bärenstarken Jaeden Lewis, der mit seinem dritten Touchdown auf 27:6 erhöhte. Bäumer setzte zuverlässig seinen Kick zwischen die Stangen – 28:6. Nach guten Läufen von Fedd erreichten die Mindener die Redzone der Griffins. Darrius Sample lief selbst und markierte den zweiten Touchdown für seine Farben. Diesmal saß auch der PAT, so dass die Wolves auf 13:28 verkürzte.
Aber wieder hatte Rostock die passende Antwort parat und stockt per Lauf von QB Zellus in die Endzone und den Bäumer-PAT zum 35:13-Halbzeitstand auf. Wenigstens hatten sich die Gäste nach dem schwachen ersten Viertel von der besseren Seite gezeigt.
Und das sollte sich fortsetzen, so dass dem Zweitliga-Aufsteiger der Respekt der Gastgeber nach Spielende sicher war. Nur 18 Sekunden waren nach der Pause gespielt, da durfte das Wolfsrudel den dritten Endzonenbesuch bejubeln. Wieder war es ein langer Pass, der Willie Fedd erreichte. Der lief seinen Gegenspielern auf und davon und sorgte für einen weiteren Minden Touchdown. Mit Tobi Pauls PAT hieß es urplötzlich „nur“ noch 20:35.
Und die Gäste hätten weiter verkürzen können, ja müssen. Nach einer Interception durch Jan-Luca Diekmann drang Fedd mit einem Lauf bis zur 16 Yard-Markierung vor. 40 Yards hatte er überwunden. Doch in vier Versuchen gelang es der Offense nicht, ein weiteres Mal aus aussichtsreicher Position das „gelobte Land“ zu erreichen.
Rostock machte es derweil besser. Runningback Ryan Gomes nutzte die Zaghaftigkeit von drei Gegenspielern aus, erlief 40 Yards und sorgte für die Basis des folgenden Touchdowns von Quarterback Christoph Zeller.
Aber die Wolves hatten ja einen Willie Fedd jr, der übrigens in Offense, Defense und im Specialteam seinen Mann stehen musste. Wieder fing er einen langen Sample-Pass und markierte einen Rushing-Touchdown – seinen dritten in diesem Spiel. Von den insgesamt erzielten 338 Rushing-Yards der Mindener (Rostock kam nur auf 275) gingen allein 224 auf das Konto des zweimaligen MVPs der Wolves.
Damit hatten die Mindener das dritte Viertel sogar für sich entschieden.
Im vierten Viertel wurde schnell wieder deutlich, dass der Zugriff der Defense einfach fehlte. Austin Wood setzte sich gegen sage und schreibe acht Abwehrspieler durch, degradierte sie zu Statisten und legte eine lange Strecke bis in die Endzone zurück.
Dem 27:49 hätten die Mindener postwendend einen weiteren Touchdown folgen lassen müssen. Bis an die 2 Yard-Markierung kamen sie heran, doch der dritte Fumble von Darrius Sample machte ihnen den sichergeglaubten Endzonenbesuch zunichte. Auch anschließend hielt die Defense wieder nur bedingt. So konnte Jonas Bäumer bei seinem Lauf bis zur Mittellinie selbst von fünf an ihm dranhängenden Abwehrspielern viel zu spät gebremst werden. Etwas Zählbares gelang den Hausherren anschließend aber nicht mehr.
Dennoch hatten sich die Mindener den Respekt der Griffins verdient.


